SLUPP-915 und SLUPP-332
SLUPP-915 und SLUPP-332
Stell dir vor, die positiven Anpassungen von intensivem Ausdauertraining ließen sich gezielt durch ein Molekül anstoßen. Genau darum geht es bei sogenannten „Exercise Mimetics“. Ein besonders interessanter Ansatz kommt aus der Forschung von Professor Thomas Burris und seinem Team. Mit SLU-PP-332 konnten sie zeigen, dass sich über die sogenannten ERR-Rezeptoren gezielt Prozesse beeinflussen lassen, die für den Energiestoffwechsel der Muskulatur eine wichtige Rolle spielen.
SLU-PP-332 war dabei ein wichtiger erster Schritt, hatte allerdings einen entscheidenden Nachteil: Die orale Aufnahme war sehr schlecht. Deshalb musste der Wirkstoff in den bisherigen Studien per Injektion verabreicht werden. Mit SLU-PP-915 wurde anschließend ein Molekül entwickelt, das genau dieses Problem adressieren soll. Durch die chemische Anpassung soll es sich deutlich besser über den Magen-Darm-Trakt aufnehmen lassen. Nach den präklinischen Daten soll die orale Bioverfügbarkeit von SLU-PP-915 dabei eine vergleichbare Wirkstoffexposition ermöglichen wie SLU-PP-332 bei subkutaner Verabreichung – also vereinfacht gesagt eine orale Aufnahme, die hinsichtlich der verfügbaren Wirkstoffmenge an die injizierte Form des Vorgängers herankommt.
Was passiert dabei in den Zellen? Vereinfacht gesagt soll die Aktivierung der ERR-Rezeptoren den Muskelstoffwechsel in Richtung eines ausdauerähnlichen Zustands verändern. Unter anderem werden Prozesse angeregt, die mit der Bildung und Funktion von Mitochondrien zusammenhängen. Dadurch könnte die Muskulatur ihre Energieversorgung stärker auf die Nutzung von Fettsäuren ausrichten.
Besonders interessant sind die Ergebnisse in Kombination mit echtem Ausdauertraining. In den präklinischen Untersuchungen zeigte sich, dass die Kombination bestimmte Stoffwechselwege und die Aktivierung relevanter Gene stärker beeinflussen kann als die jeweilige Maßnahme allein. Genau diese mögliche Synergie macht SLU-PP-915 für die weitere Forschung besonders interessant.
Wichtig ist allerdings die Einordnung: Wir befinden uns hier noch klar im Bereich der Grundlagen- und präklinischen Forschung. Die bisherigen Erkenntnisse stammen aus Zell- und Tiermodellen. Aussagekräftige Studien am Menschen sowie etablierte Dosierungen für eine Anwendung beim Menschen fehlen bislang.
Auch das Interesse der Anti-Doping-Forschung zeigt, dass solche Wirkstoffe als potenziell relevante neue Wirkstoffklasse betrachtet werden. Das bedeutet jedoch nicht, dass eine Wirkung oder Sicherheit beim Menschen bereits nachgewiesen wäre.
Sollte sich der Ansatz in zukünftigen klinischen Studien bestätigen, könnten ERR-Agonisten langfristig eine interessante Möglichkeit darstellen, bestimmte Aspekte der Ausdaueranpassung gezielt zu beeinflussen. Bis dahin bleibt SLU-PP-915 allerdings ein experimenteller Forschungswirkstoff und kein etabliertes Mittel für die Anwendung am Menschen.
Darüber hinaus könnte dieser Ansatz einen entscheidenden Durchbruch dar stellen, um künftig auch andere komplexe Wirkstoffe und Moleküle oral verfügbar zu mache.