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Blutwerte & Gesundheit Sicherheit

LABS WITH PHIL | #07 TSH, fT4 & fT3 – WAS SAGT DEINE SCHILDDRÜSE WIRKLICH?

von philleichtRang 5 — VeteranVeteranvor 49 Min.8 Aufrufe

Willkommen zu Folge 7 von Labs with Phil.

Heute geht es um ein Hormonsystem, das Einfluss auf Energieverbrauch, Körpertemperatur, Herzfrequenz, Verdauung und Stoffwechsel hat:

TSH, fT4 und fT3.

Viele kennen von ihrem Blutbild nur TSH.

Das Spannende:

TSH ist streng genommen gar kein Schilddrüsenhormon.

1. TSH

TSH steht für Thyreoidea-stimulierendes Hormon und wird in der Hypophyse produziert.

Seine Aufgabe ist vereinfacht:

Der Schilddrüse sagen, wie stark sie arbeiten soll.

Produziert die Schilddrüse zu wenig Hormone, steigt TSH häufig an.

Sind zu viele Schilddrüsenhormone vorhanden, sinkt TSH normalerweise.

Man kann es sich wie einen Thermostat vorstellen.

Was ist normal?

Viele Labore verwenden ungefähr:

0,4–4,0 mIU/l

Die tatsächliche Referenz unterscheidet sich jedoch nach Labor, Alter und Situation.

TSH erhöht

Ein erhöhtes TSH kann zu einer Schilddrüsenunterfunktion passen.

Besonders interessant wird die Kombination:

TSH hoch + fT4 niedrig

Das spricht typischerweise für eine manifeste primäre Hypothyreose.

Ist TSH erhöht, während fT4 noch normal ist, kann eine subklinische Hypothyreose vorliegen.

TSH erniedrigt

Ein niedriges TSH kann dagegen zu einer Schilddrüsenüberfunktion passen.

Aber auch Medikamente und andere Erkrankungen können TSH beeinflussen.

Deshalb brauchen wir Wert Nummer zwei.

2. fT4

T4 bedeutet Thyroxin.

Die Schilddrüse produziert hauptsächlich T4.

Das kleine „f“ steht für:

frei.

Im Blut ist ein großer Teil der Schilddrüsenhormone an Transportproteine gebunden. fT4 beschreibt den freien Anteil.

Typische Referenzbereiche liegen je nach Labor beispielsweise ungefähr bei:

0,8–1,8 ng/dl

beziehungsweise etwa 10–23 pmol/l.

fT4 zu niedrig

Ein niedriges fT4 zusammen mit hohem TSH passt häufig zu einer primären Schilddrüsenunterfunktion.

Mögliche Beschwerden können sein:

Müdigkeit, Frieren, Verstopfung, trockene Haut, Gewichtszunahme oder Leistungsabfall.

Diese Symptome sind allerdings extrem unspezifisch.

fT4 zu hoch

Ein erhöhtes fT4 bei niedrigem TSH kann zu einer Schilddrüsenüberfunktion passen.

Mögliche Symptome sind beispielsweise:

Herzrasen, Schwitzen, Zittern, Gewichtsverlust, Nervosität oder Schlafprobleme.

Auch hier gilt:

Laborwerte + Beschwerden + Ursache gehören zusammen.

3. fT3

T3 bedeutet Trijodthyronin.

Und jetzt wird es interessant.

T3 ist biologisch stärker wirksam als T4.

Unsere Schilddrüse produziert zwar selbst T3, ein erheblicher Teil entsteht aber dadurch, dass der Körper:

T4 in T3 umwandelt.

Diese Umwandlung findet unter anderem in Leber und anderen Geweben statt.

Auch bei fT3 unterscheiden sich die Referenzbereiche deutlich.

Häufig sieht man ungefähr:

2,0–4,4 pg/ml

Deshalb zählt wieder der Bereich des eigenen Labors.

WARUM IST fT3 SO INTERESSANT?

Weil T4 und T3 unterschiedliche Informationen liefern.

Ein niedriges T3 bedeutet allerdings nicht automatisch:

„Meine Schilddrüse funktioniert nicht.“

Bei schwerer Erkrankung oder längerem deutlichen Kaloriendefizit kann T3 beispielsweise sinken, ohne dass eine klassische primäre Schilddrüsenerkrankung vorliegt.

Gerade im Fitnessbereich ist das interessant.

Wer extrem diätet und über längere Zeit sehr wenig Energie zuführt, kann Veränderungen der Schilddrüsenhormone beobachten.

Das ist aber kein Grund, eigenständig Schilddrüsenhormone einzunehmen.

JETZT SETZEN WIR ALLES ZUSAMMEN

Beispiel 1

TSH normal fT4 normal fT3 normal

→ zunächst ein unauffälliges Bild.

Beispiel 2

TSH hoch fT4 niedrig

→ eine primäre Schilddrüsenunterfunktion wird wahrscheinlich.

Beispiel 3

TSH niedrig fT4 und/oder fT3 erhöht

→ eine Schilddrüsenüberfunktion wird interessanter.

Beispiel 4

TSH hoch fT4 normal

→ kann zu einer subklinischen Hypothyreose passen.

Und jetzt kommt eine wichtige Ausnahme:

Nicht jede Schilddrüsenstörung folgt diesem einfachen Muster.

Bei Problemen der Hypophyse kann beispielsweise fT4 niedrig sein, ohne dass TSH entsprechend hoch wird.

Genau deshalb ist TSH zwar ein hervorragender Screeningwert – aber nicht in jeder Situation die komplette Antwort.

WAS IST MIT „OPTIMALEN“ SCHILDDRÜSENWERTEN?

Im Internet findet man ständig Aussagen wie:

„fT3 muss unbedingt im oberen Drittel liegen.“

oder:

„TSH über 2 ist bereits schlecht.“

So pauschal würde ich das nicht übernehmen.

Referenzbereich und Zielbereich sind nicht dasselbe wie ein universeller persönlicher Optimalwert.

Alter, Schwangerschaft, Medikamente, bestehende Schilddrüsenerkrankungen und die klinische Situation können die Bewertung verändern.

Deshalb sollte man nicht versuchen, Laborwerte auf irgendeine Internet-Zahl zu „optimieren“.

WELCHE WERTE WERDEN NOCH INTERESSANT?

Wenn der Verdacht auf eine autoimmune Schilddrüsenerkrankung besteht, können beispielsweise Antikörper untersucht werden:

TPO-Antikörper

Thyreoglobulin-Antikörper

TRAb

Sie helfen bei bestimmten Fragestellungen, beispielsweise bei Hashimoto-Thyreoiditis oder Morbus Basedow.

Auch ein Ultraschall kann je nach Situation wichtig sein.

TSH, fT4 und fT3 erzählen also viel – aber auch sie erzählen nicht immer die komplette Geschichte.

VOR DER BLUTABNAHME

Hier gibt es einen Punkt, den Supplement-Nutzer kennen sollten:

Biotin kann bestimmte Schilddrüsen-Labortests verfälschen.

Je nach Testverfahren können dadurch beispielsweise TSH zu niedrig und Schilddrüsenhormone zu hoch erscheinen.

Wer hoch dosiertes Biotin verwendet, sollte das deshalb vor der Blutabnahme mit Arzt beziehungsweise Labor besprechen.

Auch Schilddrüsenmedikamente sollten bei der Interpretation inklusive Dosis und Zeitpunkt der letzten Einnahme berücksichtigt werden.

PHIL’S CHECK

Drei Dinge aus dieser Folge:

1. TSH kommt aus der Hypophyse und steuert die Schilddrüse.

2. fT4 zeigt einen wichtigen Teil der Hormonproduktion beziehungsweise -versorgung.

3. T3 ist das stärker wirksame Schilddrüsenhormon und entsteht zu einem erheblichen Teil aus T4.

Das Entscheidende ist wieder das Muster:

TSH alleine kann sehr hilfreich sein – aber manchmal brauchen wir mehr Kontext.

MEIN FAZIT

Die Schilddrüse zeigt perfekt, wie intelligent unser Hormonsystem reguliert wird.

Hypophyse, Schilddrüse und verschiedene Gewebe kommunizieren miteinander.

Deshalb möchte ich bei Labs with Phil nicht einfach sagen:

„TSH 2,5 = gut.“

Interessanter ist:

Wie sieht TSH aus?

Wie sieht fT4 aus?

Wie passt fT3 dazu?

Gibt es Beschwerden?

Werden Medikamente eingenommen?

Erst daraus entsteht ein sinnvolles Gesamtbild.

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1 Kommentare
TOtoxicRang 3 — StammgastStammgastvor 22 Min.

Sehr interessant. Vielen Dank 👍

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