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GLP-1 und die Pille

von shnkroRang 3 — StammgastStammgastvor 2 Tagen69 Aufrufe(bearbeitet)

Ich bin über ein Thema gestolpert, welches meiner Meinung nach gerade für Frauen bei GLP-1 echt wichtig ist und erstaunlich wenig erwähnt wird: Kann die Wirkung der Pille beeinflusst werden?

Tirzepatid

Bei Tirzepatid (Mounjaro) ist die Sache relativ klar. Es verlangsamt die Magenentleerung und kann dadurch die Aufnahme oraler Verhütungsmittel beeinflussen.

Die offizielle Empfehlung ist deshalb: Nach dem Start und nach jeder Dosiserhöhung für 4 Wochen zusätzlich verhüten, z.B. mit Kondom, oder eine nicht orale Verhütungsmethode verwenden.

Das finde ich vor allem beim Aufdosieren wichtig. Nach jeder Erhöhung beginnen die 4 Wochen wieder von vorne.

Auch bei kleineren Dosierungen kann man nicht einfach davon ausgehen, dass es keine Rolle spielt.

Semaglutid

Bei Semaglutid (Wegovy) sieht es anders aus. Hier gibt es diese generelle 4 Wochen Empfehlung nicht. Man sollte also nicht pauschal sagen, dass alle GLP-1-Medikamente die Pille weniger zuverlässig machen.

Und Reta?

Bei Retatrutid ist es aktuell noch etwas schwieriger, weil Reta noch nicht zugelassen ist.

Interessanterweise hat Lilly bereits eine eigene Phase-1-Studie mit 46 Frauen durchgeführt, in der genau untersucht wurde, ob Reta die Blutspiegel von Ethinylestradiol und Drospirenon beeinflusst. Die Studie ist abgeschlossen, die Ergebnisse wurden auf ClinicalTrials.gov bisher aber noch nicht veröffentlicht.

Deshalb würde ich bei Reta momentan analog Tirzepatid vorgehen.

Kurz gesagt:

Tirzepatid = Wechselwirkung bekannt und klare 4-Wochen Empfehlung.

Semaglutid = diese Empfehlung gibt es so nicht.

Retatrutid = wurde bereits untersucht, aber uns fehlen aktuell noch die veröffentlichten Ergebnisse.

Vielleicht hilft es ja der einen oder anderen hier. Ich wusste das vor meiner Recherche jedenfalls auch nicht. 🙂

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5 Kommentare
SISitzwurstRang 4 — KuratorKuratorvor 2 Tagen

Vielen Dank, sehr guter Beitrag 👍

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SHshnkroOPRang 3 — StammgastStammgastvor 2 Tagen

Gerne 😊

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GRgrinsifiRang 4 — KuratorKuratorvor 2 Tagen

Vielen Dank für den Beitrag, ein sehr wichtiges und bisher kaum beachtetes Thema! Allerdings ist mir nicht klar, wieso bei Semaglutid das Risiko weniger besteht, da es die Magenentleerung ja genauso hemmt wie Tirzepatid...

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SHshnkroOPRang 3 — StammgastStammgastvor 2 Tagen(bearbeitet)

Gerne!

Semaglutid verlangsamt zwar die Magenentleerung. Deshalb war ich zuerst auch irritiert, da die Pille so ja länger im Magen bleibt und auch schlechter oder verspätet auggenommen wird. Genau das hat man aber untersucht. Frauen bekamen eine kombinierte Pille mit Ethinylestradiol + Levonorgestrel, einmal ohne und einmal zusammen mit Semaglutid. Danach wurde gemessen, wie viel von den beiden Hormonen insgesamt im Blut ankommt.

Das Ergebnis war: Ethinylestradiol: praktisch kein relevanter Unterschied Levonorgestrel: es kam sogar rund 20% mehr im Blut an Die maximale Konzentration der beiden Hormone wurde ebenfalls nicht relevant verändert.

Im Gegensatz zu Tirzepatid: Hier wurde bei der entsprechenden Studie bereits bei 5mg ein wesentlicher Unterschied gemessen.

Teilweise war der höchste Blutspiegel um 59% tiefer und 4.5h verzögert. Insgesamt wurden 20% weniger der jeweiligen Hormone aufgenommen, als ohne Tirzepatid.

Quellen: https://pi.lilly.com/us/zepbound-uspi.pdf?os=TMB&utm

https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/25475122/

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GRgrinsifiRang 4 — KuratorKuratorvor 2 Tagen

Echt spannend... danke nochmal😊

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