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Blutwerte & Gesundheit Sicherheit

LABS WITH PHIL | #06 HÄMOGLOBIN, HÄMATOKRIT & ERYTHROZYTEN – WANN WIRD „DICKES BLUT“ ZUM PROBLEM?

von philleichtRang 5 — VeteranVeteranvor 14 Std.15 Aufrufe

Willkommen zu Folge 6 von Labs with Phil.

Heute geht es um drei Werte, die besonders für Sportler und Menschen, die sich mit Testosteron oder anderen Androgenen beschäftigen, interessant sind:

Hämoglobin, Hämatokrit und Erythrozyten.

Alle drei hängen eng miteinander zusammen – sind aber nicht dasselbe.

Und wir klären auch, was hinter dem berühmten Satz steckt:

„Mein Blut ist zu dick.“

1. HÄMOGLOBIN

Hämoglobin – kurz Hb – ist der rote Blutfarbstoff innerhalb unserer roten Blutkörperchen.

Seine wichtigste Aufgabe:

Sauerstoff transportieren.

In der Lunge bindet Hämoglobin Sauerstoff und transportiert ihn zu Muskeln, Organen und anderen Geweben.

Typische Referenzbereiche liegen ungefähr bei:

Männer: 13,5–17,5 g/dl Frauen: 12–16 g/dl

Je nach Labor können die Grenzen abweichen.

Was bedeutet ein niedriger Hb-Wert?

Ein erniedrigtes Hämoglobin kann auf eine Anämie hinweisen.

Mögliche Ursachen sind beispielsweise:

Eisenmangel, Blutverlust, Vitamin-B12- oder Folatmangel, Nierenerkrankungen oder chronische Erkrankungen.

Aber Hb alleine sagt noch nicht, welche Form einer Anämie vorliegt.

Dafür brauchen wir später Werte wie MCV, MCH, Ferritin und Transferrinsättigung.

Was bedeutet ein hoher Hb-Wert?

Ein erhöhter Wert kann unter anderem bei:

Dehydrierung, Höhenaufenthalten, Rauchen, bestimmten Erkrankungen oder erhöhtem Erythropoetin-Einfluss

auftreten.

Und natürlich können auch Testosteron und andere Androgene eine Rolle spielen.

2. HÄMATOKRIT

Jetzt kommen wir zu einem Wert, über den gerade im Fitnessbereich unglaublich viel gesprochen wird.

Der Hämatokrit beschreibt vereinfacht gesagt, welchen Anteil des Blutvolumens die roten Blutkörperchen ausmachen.

Beispiel:

Hämatokrit 45 % = ungefähr 45 % des Blutvolumens bestehen aus roten Blutkörperchen.

Typische Referenzbereiche liegen grob bei:

Männer: etwa 40–52 % Frauen: etwa 36–48 %

Auch hier gilt immer der Bereich des jeweiligen Labors.

Warum kann Hämatokrit steigen?

Ein wichtiger Faktor ist:

Testosteron.

Testosteron kann die Bildung roter Blutkörperchen stimulieren.

Deshalb gehört der Hämatokrit bei einer medizinischen Testosterontherapie zu den Werten, die regelmäßig kontrolliert werden.

Auch Höhenaufenthalte, Rauchen, Schlafapnoe oder Lungenerkrankungen können den Wert erhöhen.

Und dann gibt es einen extrem simplen Faktor:

Zu wenig Flüssigkeit.

Wenn weniger Flüssigkeit im Blut vorhanden ist, kann der prozentuale Anteil der Blutzellen steigen.

Man spricht dann von einer relativen Hämokonzentration.

AB WANN WIRD HÄMATOKRIT PROBLEMATISCH?

Hier wird es besonders interessant.

Bei einer medizinischen Testosterontherapie gilt ein Hämatokrit von ungefähr:

54 % oder höher

als wichtiger Schwellenwert.

Leitlinien empfehlen dann normalerweise, die Therapie zu unterbrechen beziehungsweise anzupassen und nach möglichen Ursachen wie Hypoxie oder Schlafapnoe zu suchen.

Das bedeutet aber nicht:

53 % = völlig ungefährlich 54 % = plötzlich gefährlich.

Risiko funktioniert nicht wie ein Lichtschalter.

Der Wert muss zusammen mit Ursache, Verlauf und weiteren Risikofaktoren betrachtet werden.

3. ERYTHROZYTEN

Erythrozyten sind schlicht unsere:

roten Blutkörperchen.

Im Labor wird gemessen, wie viele davon sich in einem bestimmten Blutvolumen befinden.

Typische Bereiche liegen ungefähr bei:

Männer: 4,5–5,9 Mio./µl Frauen: 4,1–5,1 Mio./µl

Auch diese Werte unterscheiden sich nach Labor.

Zu wenig Erythrozyten

Eine niedrige Zahl kann zusammen mit niedrigem Hb und Hämatokrit zu einer Anämie passen.

Jetzt wird interessant, welche Art von roten Blutkörperchen vorhanden ist.

Sind sie klein?

Groß?

Enthalten sie wenig Hämoglobin?

Dafür gibt es Werte wie MCV und MCH.

Zu viele Erythrozyten

Eine erhöhte Anzahl kann beispielsweise durch Sauerstoffmangel, Höhenaufenthalte, bestimmte Erkrankungen oder hormonelle Einflüsse entstehen.

Auch hier muss zwischen einer tatsächlichen gesteigerten Produktion und einer relativen Erhöhung durch Flüssigkeitsmangel unterschieden werden.

JETZT SETZEN WIR DIE DREI ZUSAMMEN

Beispiel 1

Hb niedrig Hämatokrit niedrig Erythrozyten niedrig

→ eine Anämie wird als mögliche Erklärung interessant.

Beispiel 2

Hb hoch Hämatokrit hoch Erythrozyten hoch

→ jetzt sollte geklärt werden, warum so viele rote Blutkörperchen vorhanden sind.

Beispiel 3

Hämatokrit plötzlich höher als sonst

→ bevor man sofort eine Krankheit vermutet, interessieren mich auch die Bedingungen:

War die Person ausreichend hydriert?

War sie gerade in großer Höhe?

Raucht sie?

Besteht möglicherweise Schlafapnoe?

Werden Testosteron oder andere Androgene verwendet?

Wieder entscheidet der Zusammenhang.

WAS BEDEUTET „DICKES BLUT“?

Dieser Begriff wird im Gym unglaublich gerne benutzt.

Medizinisch ist er aber ziemlich unscharf.

Ein hoher Hämatokrit bedeutet, dass relativ viele rote Blutkörperchen im Blut vorhanden sind.

Dadurch können sich auch die Fließeigenschaften beziehungsweise die Viskosität des Blutes verändern.

Aber:

Hämatokrit ist kein direkter „Blutdicke-Messer“.

Gerinnung, Thrombozyten, Gefäßgesundheit und viele weitere Faktoren bestimmen das tatsächliche Risiko mit.

Deshalb sollte man einen erhöhten Hämatokrit ernst nehmen – aber nicht aus einer einzelnen Zahl automatisch eine Thrombose vorhersagen.

UND WAS IST MIT BLUTSPENDEN?

Hier wird im Fitnessbereich gerne sehr schnell gesagt:

„Hämatokrit hoch? Einfach Blut spenden.“

So pauschal gefällt mir das überhaupt nicht.

Eine Blutentnahme kann Hämatokrit und Hämoglobin zwar vorübergehend reduzieren.

Aber sie beseitigt nicht automatisch die Ursache.

Außerdem können wiederholte Blutentnahmen die Eisenspeicher beziehungsweise Ferritin senken.

Deshalb sollte bei dauerhaft erhöhtem Hämatokrit zuerst geklärt werden, warum er erhöht ist – statt nur regelmäßig die Zahl herunterzudrücken.

PHIL’S CHECK

Wenn ihr aus dieser Folge drei Dinge mitnehmt:

1. Hämoglobin transportiert Sauerstoff.

2. Hämatokrit beschreibt den Anteil der roten Blutkörperchen am Blutvolumen.

3. Die Erythrozytenzahl zeigt uns, wie viele rote Blutkörperchen tatsächlich vorhanden sind.

Und besonders wichtig:

Ein erhöhter Hämatokrit sollte nicht isoliert betrachtet werden.

Hydration, Rauchen, Höhe, Schlafapnoe, Medikamente und Androgene können alle eine Rolle spielen.

MEIN FAZIT

Diese drei Werte zeigen perfekt, warum ein Blutbild mehr ist als eine Ansammlung von Zahlen.

Mehr rote Blutkörperchen können zunächst sogar attraktiv klingen:

Mehr Sauerstofftransport = mehr Leistung?

Aber unser Körper funktioniert nicht nach dem Prinzip:

Mehr ist automatisch besser.

Zu wenig kann auf eine Anämie hindeuten.

Zu viel kann ebenfalls problematisch werden.

Das Ziel ist deshalb nicht, möglichst hohe Werte zu erreichen.

Das Ziel ist zu verstehen, warum die eigenen Werte dort liegen, wo sie liegen.

Und genau dafür gibt es Labs with Phil.

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2 Kommentare
CAcastinhoRang 4 — KuratorKurator1vor 14 Std.

Wieder gut geschrieben

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PHphilleichtOPRang 5 — VeteranVeteran1vor 14 Std.

Danke dir mein bester

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